FAQ Arbeitslosigkeit

Droht Ihnen Arbeitslosigkeit oder sind Sie schon ohne Job. In dieser Situation stellen Sie sich sicher viele Fragen. Antworten finden Sie bei den FAQ des Kaufmännischen Verbandes.

Das Gute ist, gegen Arbeitslosigkeit sind Sie als unselbstständig Erwerbende obligatorisch versichert. Informieren Sie sich dennoch frühzeitig, was Sie unternehmen müssen, um Arbeitslosengeld zu erhalten. Als Kompetenzzentrum für Beruf kennt sich Ihr Kaufmännischer Verband in diesem Thema bestens aus. Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen im Zusammenhang mit Arbeitslosigkeit.


Wann habe ich Anspruch auf Arbeitslosengeld?
  • Sie müssen Ihren Wohnsitz in der Schweiz haben und ganz oder teilweise arbeitslos sein. Suchen Sie eine Vollzeitbeschäftigung, sind Sie ganz arbeitslos. Suchen Sie eine Teilzeitbeschäftigung, sind sie teilweise arbeitslos. Haben Sie eine Teilzeitstelle und suchen noch eine zweite oder einen Vollzeitjob, sind Sie ebenfalls teilweise arbeitslos.

  • Sie müssen die obligatorische Schulzeit absolviert oder das AHV-Alter noch nicht erreicht haben bzw. keine Altersrente der AHV beziehen.

  • Ihr Arbeitsausfall und Ihre entsprechende Lohneinbusse muss mindestens zwei Tage betragen.

  • Ihre Beitragszeit an die Arbeitslosenversicherung (ALV) muss genügend lang sein. Das heisst, Sie müssen in den zwei Jahren vor der Erstanmeldung während mindestens zwölf Monaten voll oder Teilzeit gearbeitet und ALV-Beiträge bezahlt haben.

  • Es gibt Gründe für eine Befreiung von der Beitragspflicht: Aus- und Weiterbildung, Krankheit, Unfall, Mutterschaft, Betreuung von pflegebedürftigen Per­sonen im gleichen Haushalt.

  • Sie müssen vermittlungsfähig sein. Sie müssen bereit und in der Lage sein, eine zumutbare Arbeit anzunehmen oder an einer Eingliederungsmassnahme teilzunehmen.

  • Sie müssen die Gesprächs- und Beratungstermine des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) wahrnehmen. Sie haben die Pflicht, alles zu unternehmen, um die Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen.


Wann muss ich mich wo melden?


Melden Sie sich sofort nach der Kündigung bei Ihrer Wohngemeinde oder dem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV). Je nach Kanton ist das verschieden. Sie haben aber grundsätzlich die Möglichkeit, sich bis zum ersten Tag der Arbeitslosigkeit bei der zuständigen Stelle zu melden. Rückwirkend zu stempeln, ist nicht möglich.


Achtung: Es wird von Ihnen erwartet, dass Sie sofort nach Erhalt der Kündigung mit der Stellensuche beginnen. Halten Sie diese Bemühungen (Bewerbungen, Absagebriefe, etc.) schriftlich fest. Nutzen Sie Ihre Kündigungsfrist deshalb möglichst sinnvoll. Bitten Sie Ihren Arbeitgeber so schnell wie möglich um ein Arbeitszeugnis, damit Sie Ihre Bewerbungsunterlagen komplettieren können. Sie haben ein Anrecht auf ein vollständiges Zeugnis.


Welche Unterlagen brauche ich für die Anmeldung beim RAV?
  • AHV-Ausweis

  • Persönlicher Ausweis (Pass, ID, Führerschein)

  • Wohnsitzbescheinigung oder Schriftenempfangsschein, sofern Sie sich nicht schon bei Ihrer Wohngemeinde gemeldet haben.

  • Ausländische Staatsangehörige benötigen zudem die Niederlassungsbewilligung oder den Ausländerausweis.


Vom RAV werden Sie danach zu einem Informationstag und einem individuellen Beratungs- und Kontrollgespräch eingeladen. Zu diesem Termin müssen Sie Folgendes mitbringen:

  • Ihren letzten Arbeitsvertrag

  • das Kündigungsschreiben

  • die Bescheinigungen über Aus- und Weiterbildungen

  • Ihre Bewerbungsunterlagen und Nachweise für die ersten Stellenbewerbungen


Hier können Sie die Formulare für die Arbeitslosenentschädigung downloaden

Wie hoch ist mein Arbeitslosengeld?


Die Entschädigung wird in Form von Taggeldern ausbezahlt. Sie erhalten fünf pro Woche. Feiertage, die auf einen Werktag fallen, werden ebenfalls entschädigt.


Die Höhe des Taggelds hängt vom AHV-pflichtigen Lohn ab, den Sie im Durchschnitt in den letzten sechs respektive zwölf Monaten erhalten haben. Der Lohn wird durch die durchschnittliche Anzahl Werktage pro Monat (21.7) geteilt und so auf den Tag umgerechnet. Von diesem Betrag erhalten Sie 80% als Taggeld, wenn Sie entweder Unterhaltspflichten gegenüber Kindern unter 25 Jahren haben, eine IV-Rente (Invaliditätsgrad mind. 40%) beziehen oder wenn Ihr versicherter Verdienst 3797 Franken nicht übersteigt. In allen anderen Fällen erhalten Sie 70% des versicherten Verdienstes.


Zum Beispiel


Versicherter Verdienst pro Monat 4500 Franken


Geteilt durch Anzahl Werktage pro Monat 4500 : 21.7 = 207.4 Franken


Davon 70% 207.4 x 70% = 145.20 Franken Taggeld


Der maximal versicherbare Verdienst beträgt 12 350 Franken pro Monat (bzw. 148 200 Franken pro Jahr, Stand 1.1.2016). Nicht versichert sind Monatslöhne unter 500 Franken. Haben Sie Kinder, erhalten Sie eine Kinderzulage. Um Beitrags- und Versicherungslücken zu vermeiden, werden Ihnen von den Taggeldern die Arbeit­nehmer-Beiträge für AHV/IV, EO und Unfallversicherung sowie für die Risikoleistungen der beruflichen Vorsorge abgezogen. Das macht rund 10% aus.


Wie viele Arbeitslosentaggelder kann ich beziehen?
  • Bis 25 (mit Unterhaltspflicht): max. 200 Taggelder, sofern die Beitragszeit erfüllt wurde (mind. 12 Monate versicherter Verdienst in den vorhergehenden zwei Jahren)

  • Ab 25 (oder mit Unterhaltspflicht) und einer Beitragszeit von 12 bis 18 Monaten: max. 260 Taggelder

  • Ab 25 (oder mit Unterhaltspflicht) und einer Beitragszeit von 18 bis 24 Monaten: max. 400 Taggelder

  • Ab 55 und einer Beitragszeit von 22 Monaten: max. 520 Taggelder. Für Versicherte, die kurz (max. vier Jahre) vor Erreichen des Rentenalters stehen, gibt es eine Sonderregelung: Sie haben Anspruch auf zusätzliche 120 Taggelder.

  • Beitragsbefreite (ohne Beitragszeit): max. 90 Taggelder. Gewisse Personen sind von der Erfüllung der Beitragszeit befreit. Sie dürfen Leistungen beziehen, obwohl sie in den vorherigen zwei Jahren aus bestimmten Gründen keine Beiträge bezahlt haben (wegen Ausbildung, Krankheit, Mutterschaft oder Gefängnisaufenthalt). Für Schul- und Studienabgänger/innen besteht eine Wartezeit von 120 Tagen.

  • Ab 25, IV-Rente-Bezüger/in und einer Beitragszeit von 22 Monaten: max. 520 Taggelder.

  • Für Personen mit IV-Rente, die einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% entspricht.


Was muss ich unter Wartezeit verstehen?


Die erste Taggeldzahlung wird erst nach Bestehen der Wartetage geleistet. Diese erste, unbezahlte Zeit der Erwerbslosigkeit entspricht quasi Ihrem Selbstbehalt als Versicherte.


Je höher der versicherte Verdienst, desto länger müssen Sie aus die Auszahlung des Taggeldes warten. Bei einem versicherten Lohn bis 60 000 Franken pro Jahr sind es fünf Wartetage. Dann steigt die Wartezeit stufenweise bis auf 20 Tage an. Haben Sie einen versicherten jährlichen Verdienst bis 36 000 Franken und mit Unterhaltspflichten bis 60 000 Franken, werden Ihnen die Taggelder ohne Wartezeit ausbezahlt. Für Schul- und Studienabgänger/innen, die die Beitragszeit nicht erfüllen, gilt eine Wartezeit von 120 Tagen.


Was sind Einstelltage


Wenn Sie Ihre Pflichten verletzen, können die Entschädigungen vorübergehend eingestellt werden, Sie erhalten also eine gewisse Zeit lang keine Taggelder. Das ist der Fall, wenn Sie durch eigenes Verschulden arbeitslos sind oder sich nicht genügend um eine zumutbare Arbeit bemüht haben. Aber auch, wenn Sie die Weisungen des RAV nicht befolgen und z.B. eine zugewiesene zumutbare Arbeit nicht annehmen oder einen Kurs nicht besuchen. Die Einstellung dauert je nach Verschulden bis zu 60 Tage.


Welche Stellen sind mir zumutbar?


Grundsätzlich müssen Sie jede Arbeit unverzüglich annehmen. Zu Beginn der Arbeitslosigkeit wird man Sie aber kaum zwingen, eine Stelle anzunehmen, die Ihren Neigungen in keiner Weise entspricht. Je länger Sie jedoch arbeitslos sind, umso mehr wird der Druck steigen, auch eine ungeliebte Arbeit oder eine ausserhalb Ihres Berufs zu akzeptieren.


Unzumutbar ist eine Stelle, die nicht den üblichen Lohn- und Arbeitsbedingungen oder Ihren persönlichen Verhältnissen (Alter, Gesundheit, Familie) entspricht, die nicht angemessen auf Ihre Fähigkeiten oder bisherige Tätigkeiten Rücksicht nimmt oder die den Wiedereinstieg in Ihren Beruf erschwert. Zudem gilt auch ein Arbeitsweg von täglich mehr als vier Stunden als unzumutbar.


Sind Sie unter 30, müssen Sie auch eine Arbeit annehmen, die ihren Fähigkeiten und bisherigen Tätigkeiten keine Rechnung trägt.


Habe ich Anrecht auf "Stempelferien"?


Ja, nach 60 Tagen kontrollierter Arbeitslosigkeit haben Sie eine Woche "Kontrollferien" zugute. Das heisst, an fünf aufeinanderfolgenden Tagen müssen Sie keine Bewerbungen schreiben und weder vermittlungsfähig, noch jederzeit einsatzbereit sein. Sie können diese Ferien auch aufsparen und nach 120 Tagen zwei Wochen beziehen. Aber Achtung: Die Kontrollferien müssen dem RAV 14 Tage im Voraus gemeldet werden. Die Kontrollferien können nicht im Nachhinein bezogen oder entschädigt werden. Nicht bezogene Freitage sind verloren.


Habe ich auch Anrecht auf Taggelder, wenn ich krank bin, einen Unfall habe oder schwanger werde?


Solche Fälle müssen dem RAV unverzüglich gemeldet werden. Bei Krankheit besteht nur für die ersten 30 Tage Ihrer Arbeitsunfähigkeit ein Anspruch auf Taggelder. Innerhalb der zweijährigen Rahmenfrist sind die Taggelder auf 44 beschränkt. Dauert die Krankheit länger als 30 Tage oder haben Sie die insgesamt 44 Taggelder ausgeschöpft, stehen Sie ohne Einkommen da. Es empfiehlt sich daher, sich auf privater Basis abzusichern, indem Sie eine Krankentagversicherung abschliessen. Verunfallte Arbeitslose sind obligatorisch bei der Suva versichert. Sie deckt ab dem dritten Tag nach dem Unfall die Heilungskosten und den Einkommensausfall.


Als schwangere Frau gelten Sie grundsätzlich als vermittlungsfähig. Allerdings müssen Sie während der letzten zwei Monate vor der Niederkunft und der ersten vier Wochen des 14-wöchigen Mutterschaftsurlaubs keine Arbeitsbemühungen nachweisen. Falls Sie während der Schwangerschaft arbeitsunfähig werden, haben Sie die gleichen Ansprüche wie bei Krankheit. Nach der Niederkunft haben Sie Anspruch auf 40 weitere Taggelder, wenn Sie vorübergehend nicht oder nur vermindert arbeitsfähig sind. Wollen Sie nach dem Mutterschaftsurlaub Arbeitslosenentschädigung beanspruchen, müssen Sie spätestens ab der fünften Woche des Urlaubs mit der Stellensuche beginnen und diese belegen können.


Ist die Selbstständigkeit eine gute Idee?


Als Arbeitslose werden Sie beim Gang in die Selbstständigkeit unterstützt und beraten. Dieser Weg ist aber nicht für alle Personen gleich gut geeignet. Sie müssen detaillierte Vorabklärungen treffen. Insbesondere bei folgenden vier Punkten: Persönlichkeit, Gesundheit, Fachkenntnisse, Finanzen. Diese gelten als tragende Säulen einer jeden Selbstständigkeit.

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