Sinn und Unsinn eines Praktikums nach der Lehre

Eine erste feste Arbeitsstelle zu finden, ist nicht einfach. Ziehst du deshalb ein Praktikum in Betracht? Macht das Sinn nach der Lehre? Der Kaufmännische Verband sagt: Achtung!

Wir raten zur Vorsicht. Grundsätzlich ist ein Praktikum ein Ausbildungsgefäss. Als solches erlaubt es dir, ergänzend zu einer theoretischen Ausbildung praktische Erfahrungen in einem bestimmten Berufsfeld zu sammeln. Nach oder während einer Handels(mittel)schule ist ein Praktikum also durchaus sinnvoll. Auch wenn du eine Laufbahn in einem neuen Berufsfeld anstrebst kann es wichtige erste Praxiseinblicke ermöglichen – oder ist sogar Voraussetzung für eine entsprechende Ausbildung.

Finger weg von Pseudo-Praktika!
Als fertig ausgebildete/r Kauffrau/Kaufmann verfügst du bereits über drei Jahre berufliche Praxis mit entsprechenden Fähigkeiten und Kompetenzen. Ein Praktikum im kaufmännischen Bereich bringt dir nichts, vor allem nicht mehr Berufserfahrung. Das wäre ein Pseudo-Praktikum – und auch noch schlecht bezahlt. Willst du die Branche wechseln, z.B. in die Werbung oder Informatik, hilft dir ein Praktikum ebenfalls nichts. Denn dank des Allbranchenkonzepts deiner kaufmännischen Grundbildung bist du fähig, auch ausserhalb deiner Ausbildungsbranche eine kaufmännische Tätigkeit auszuüben. Hier sei noch gesagt: Trittst du einen Job in einem neuen Umfeld an, hast du Anrecht auf eine Einarbeitungszeit. In dieser Zeit muss dir ein normaler Lohn ausbezahlt werden.

Faire Lösungen finden
Häufig steckt hinter Praktikums-Angeboten im kaufmännischen Bereich kein böser Wille: Ein Betrieb möchte trotz beschränkten Mitteln Lehrabgängern und Lehrabgängerinnen eine Chance bieten. Wir raten dir, das Gespräch zu suchen, um solche Missverständnisse aus der Welt zu räumen. Sucht zusammen eine faire Lösung. Zum Beispiel eine Teilzeit-Anstellung im finanziell verfügbaren Rahmen.

Wann macht ein Praktikum Sinn?

Das Praktikum ist eine Erwerbstätigkeit mit Ausbildungscharakter. Es ergänzt entweder deine theoretische Bildung oder es überbrückt deine vorübergehende Ausbildungs- bzw. Erwerbslosigkeit. Das Praktikum vermittelt dir praktische Erfahrungen und ist zeitlich befristet. Du erhältst keine systematische Berufsausbildung. Aber du hast als Praktikant/in Anspruch auf angemessene Entlöhnung. Praktika sind nicht in allen Lebens- und Ausbildungssituationen sinnvoll. Grundsätzlich sind Praktika zu den nachfolgenden Zeitpunkten denkbar.

Vor der Lehre
Das Praktikum ist ein Ausbildungsgefäss, aber nicht mit einer kaufmännischen Grundbildung vergleichbar. Du kannst keine Abschlüsse machen. Wenn du eine berufliche Ausbildung anstrebst, musst du eine Lehre oder eine schulisch organisierte Grundbildung absolvieren. Das Praktikum nach der obligatorischen Schulzeit macht nur dann Sinn, wenn dir der Übertritt in die berufliche Grundbildung nicht gelingt. In diesem Fall stehen dir zwei Möglichkeiten offen:

  • Die Vorlehre ist für Jugendliche, die sich noch nicht für eine berufliche Grundbildung qualifizieren

  • Das Motivationssemester ist eine Massnahme der Arbeitslosenversicherung


Nach der Lehre


Ein Praktikum bringt dir Berufserfahrung. Zudem ist das Stellenangebot klein. Darum ist es verständlich, dass du als Lehrabgänger/in mit einem Praktikum deine Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen willst. Vor allem auch, wenn du schon viele Absagen erhalten hast. Aber: Damit verkaufst du dich unter deinem Wert. Du hast die Lehre abgeschlossen und ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis vorzuweisen. Das heisst, du verfügst bereits über drei Jahre Berufserfahrung und die nötigen Kompetenzen für den nahtlosen Berufseinstieg.

Es gibt zwei Ausnahmen:

  • das Praktikum beim Branchenübertritt

  • das Berufspraktikum – wenn du arbeitslos bist

Wie das Motivationssemester ist auch das Berufspraktikum ein Angebot der
Arbeitslosenversicherung

Während oder nach der Handels(mittel)schule
Die kaufmännische Grundbildung kannst du auch auf schulischem Weg absolvieren: über die Handels(mittel)schule. Hier wirst du ebenfalls praktisch arbeiten müssen, in Form von problemorientiertem Unterricht, integrierten Praxisteilen und Berufspraktika.

Nach dem Gymnasium
Bist du Gymnasiast/in und planst, nach der Matura direkt ins Berufsleben einzusteigen? Du hast zwar eine hervorragende schulische Ausbildung, kannst aber keine praktische Berufserfahrung vorweisen. Ein Praktikum gleicht diesen Mangel aus. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass du merkst, ob du dich in der jeweiligen Branche wohlfühlst.

Während oder nach der Hochschule
Sind Sie Hochschulabsolvent/in? Dann ist das Praktikum ein wichtiger Bestandteil Ihrer Laufbahn. Während des Studiums können Sie freiwillig Praktika absolvieren – es sei denn, dies ist in der Studienordnung vorgeschrieben. Auch nach dem Hochschulabschluss lohnen sich Praktika für Sie.

Beim Wiedereinstieg
Ein Praktikum kann für Sie als Wiedereinsteigerin – nach einer längeren Familienphase – von Nutzen sein. Denn Sie werden vielleicht Mühe haben, eine Festanstellung zu finden. Ihnen wird oft vorgehalten, wichtige (technische) Entwicklungen verpasst zu haben. Mit einem Praktikum können Sie diese Argumente entkräften. Doch aufgepasst, Praktika sind an strenge Auflagen gebunden.

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